Paprika- und Tomatenanbau mit organischem Mulch



Der Umgang mit den durch den Klimawandel verursachten Umweltveränderungen beschäftigt auch den Garten- und Gemüsebau intensiv. Heiße Sommer, Wasserknappheit, Starkniederschläge und damit verbundene Erosion und Auswaschung wertvoller Nährstoffe spielen dabei eine immer größer werdende Rolle. Hoher Zeit- und Energieverbrauch durch intensive Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung oder die Versorgung der Gemüsekulturen mit ausreichend Stickstoff ist ein ebenso nicht zu unterschätzender Faktor im Hinblick auf den Klimawandel. Etablierte und unter bisherigen Bedingungen optimierte Anbauverfahren stoßen an ihre Grenzen.

Somit gilt es die Anbauverfahren zu überdenken und funktionierende Alternativen zu entwickeln. Dabei treten auch bereits bekannte, aber im Moment noch nicht so verbreitete Verfahren in den Fokus.



Das Thema „Mulcheinsatz“ ist vielen gerade aus dem Hobbygarten ein Begriff. Aber auch im ökologischen Erwerbsgemüseanbau werden vermehrt Pflanzungen in Lebendmulch oder die Verwendung von Transfermulchen erprobt bzw. erfolgreich eingesetzt. Bei der Pflanzung in Lebendmulch (auch in-situ-Mulch genannt) wird eine Zwischenfrucht wie z.B. überwinterndes Leguminosengemenge oder Wickroggen gemulcht und die Kulturpflanze einige Wochen später direkt in die unbearbeitete Fläche der gemulchten Zwischenfrucht gepflanzt. Bei dem Transfermulchverfahren wird der Zwischenfruchtbestand im Freiland gemulcht und das Mulchmaterial auf eine andere Fläche zu der gewünschten Kultur gebracht und somit „transferiert“. Letzteres ist insbesondere im Bereich des Gewächshausanbaus ein gängiges Verfahren. Unterschiedliche Anbauversuche zu diesen Verfahren sind ebenfalls bereits durchgeführt worden.

Gründe für den Mulcheinsatz

Die unterschiedlichen Erfahrungen machen die vielfältigen Vorteile, aber auch einige Risiken deutlich:

Insbesondere viehlose Betriebe, die eine Vielzahl von Gemüsebaubetrieben ausmachen, können bei durchdachtem Einsatz, ihre gesamtbetriebliche Stickstoff-Effizienz durch die Nutzung von organischem Mulch als betriebseigenen Dünger erhöhen und folglich (teuren) Handelsdünger einsparen bzw. insgesamt Ressourcen schonen. Gerade auch Zwischenfrüchte wie z.B. Kleegras, Winterwicken oder Wickroggen gewinnen, durch den Anbau und Einsatz als Mulchmaterial, einen weiteren Mehrwert. Das Mulchmaterial muss allerdings an die Kultur entsprechend angepasst sein. Aber gerade ökologisch wirtschaftende Betriebe können so Nährstoffe im Betrieb gewinnen und die Schließung der Betriebskreisläufe gewährleisten.

Ebenso kann, bei ausreichender Deckschicht durch Mulchen, eine gute Unkrautunterdrückung erzielt werden und das spart Zeit und ggf. Energie hinsichtlich des häufig aufwändigen Beikrautmanagements.

Im Sommer liegen die Vorteile der Wassereinsparung und Verminderung der zu starken Bodenerwärmung auf der Hand. Die Mulchschicht wirkt hinsichtlich der Temperatur isolierend auf den Boden. Im Frühjahr wiederum birgt das die Gefahr, dass sich der Boden nicht schnell genug erwärmt und die Kulturpflanzen in ihrem Wachstum gehemmt sind. Auf der anderen Seite schützt die Mulchschicht den Boden vor hoher Evaporation. Dies bietet insbesondere in Regionen mit Wasser als limitierenden Faktor eine gute Möglichkeit Bewässerungsgänge zu sparen.

Des Weiteren sind als Vorteile die sinnvolle Verwertung von Winterbegrünungen, Humusaufbau, Verminderung der Wind- und Wassererosion, Schonung der Wasserreserven, Förderung des Bodenlebens, gutes Bestandsklima, u.v.m. zu nennen. Technische Mulchmaterialien können diese Vorteile nicht in vollem Umfang leisten.

Die gemachten, vielfältig positiven Erfahrungswerte mit organischem Mulch basieren jedoch auf unterschiedlichen Verfahren und diversen Mulchmaterialien.



Daher sind noch viele Fragen offen:

  • Welche Materialien eignen sich am besten für welche Kultur?
  • Welchen Einfluss haben Schnittzeitpunkt und Schnitthöhe auf die Mulcheigenschaften des jeweiligen Materials?
  • Werden durch die Mulchverfahren nicht nur die gewünschten Nährstoffbedarfe der Kultur gedeckt, sondern langfristig Nährstoffüberschüsse produziert, die wiederum zur Auswaschung führen können?
  • Welche gemüsebaulichen Kulturen können etwaige Nachteile vermeiden und die Vorteile des Mulchverfahrens voll ausschöpfen?   
  • Wie ist der jeweilige Einsatz von Mulch in Gemüse betriebswirtschaftlich zu bewerten?
  • etc.

Aktuelle Versuche an der LVG Heidelberg

An der LVG Heidelberg wird seit 2019 das Verfahren „Mulch im Gewächshaus“ im Rahmen von Sortenversuchen bei Fruchtgemüse erprobt.

Erste Erfahrungen wurden in Tomaten und Paprika gesammelt. Im ersten Jahr (2019) wurde der Tomatenanbau mit Silage getestet. Die bereits genannten Vorteile konnten hier zu großen Teilen bestätigt werden. Auch ist der Einsatz des konservierten Produktes hinsichtlich des Ausbringungszeitraumes und aus phytosanitären Gründen komfortabel. Allerdings stellt die Beschaffung der Silage eine Herausforderung für reine Gemüsebaubetriebe dar. Denn diese verfügen häufig nicht über die geeignete Technik den Aufwuchs zu silieren und müssen daher auf Zukaufware zurückgreifen. Fehlende Bezugsquellen, Futtermittelknappheit in trockenen Jahren und Transport erschweren so teilweise den Einsatz von Silagemulch.

Im Jahr 2020 wurde daher die betriebseigene Winterbegrünung (Wickroggen) als Mulchmaterial in Tomate und Paprika verwendet. Insbesondere bei den Paprika ist auf eine relativ späte Einbringung des Mulchmaterials zu achten, da die Pflanzen andernfalls unter dem kühlbleibenden Boden leiden.  Besonders auffällig während der Kulturzeit war das gute Kleinklima in den Beständen, eine hervorragende Unkrautunterdrückung und eine geringe Verdunstung. Hinsichtlich der Düngewirkung war hier eine deutliche Einsparung von Handelsdüngern im Vergleich zum Standardverfahren (Bändchengewebe mit Tropfbewässerung und Handelsdünger) der Vorjahre zu vermerken. Allerdings wurden in der Folgekultur im Herbst ein deutlicher Anstieg der Nmin-Gehalte im Boden verzeichnet.

Aktuell wird ein dezidierter Vergleich zwischen dem Anbauverfahren ‚Mulch‘ und ‚Standard‘ an der LVG Heidelberg durchgeführt. Im Rahmen dieses Versuches werden unterschiedliche Tomatensorten hinsichtlich ihres Ertrags, ihrer Qualität und Pflanzengesundheit in Abhängigkeit des jeweiligen Verfahrens geprüft und verglichen. Ebenso werden die Nährstoffströme durch die Erfassung der mit dem Mulchmaterial eingebrachten Nährstoffmengen bzw. der Verbrauch an Düngemitteln, sowie die Veränderung der Nährstoffgehalte im Boden durch regelmäßige Beprobung erfasst. Der Wasserverbrauch und die Entwicklung der Bodenfeuchte wird durch Messung und Steuerung mit Sensoren und Tensiometern überwacht. Mit den gewonnenen Ergebnissen aus dem Vergleich soll eine kulturtechnische und betriebswirtschaftliche Bewertung erfolgen. Im Anschluss werden die Nährstoffverfügbarkeiten und Auswirkungen auf die Folgekulturen versuchstechnisch weiter begleitet.

Arbeitskreis ‚Mulchen im Gemüsebau‘

Durch die vielen offenen und umfangreichen Fragenstellungen in Gewächshaus und Freiland wurde zum Thema ‚Mulchen‘ im Herbst 2020 der Arbeitskreis ‚Mulchen im Gemüsebau‘ gegründet. Bisher nehmen 14 Personen (Berater*innen aus Offizialberatung und Beratungsdienst, sowie Versuchsansteller*innen) am Arbeitskreis teil, die sich den unterschiedlichen Fragen annehmen möchten. Ziel ist es, das Anbauverfahren „Mulchen“ auf seine Praxistauglichkeit, sowohl für ökologisch als auch integriert wirtschaftende Betrieb gezielt zu prüfen und Verfahrensempfehlungen weiter zu entwickeln bzw. zu verifizieren.  Eventuelle Hemmnisse sollen identifiziert, sowie Hilfestellungen für die Realisierung des Verfahrens an die Hand gegeben werden. Im Weiteren sind Informationsveranstaltungen geplant.



Sabine Reinisch, LVG - Heidelberg

 

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