Insbesondere spät gepflanzte Sätze leiden unter Lichtmangel und niedrigen Temperaturen.
Geschwächte Pflanzen und steigender Schaderregerdruck sind häufig die Folge. Die Sortenwahl kann ein wichtiger Ansatz sein, den
oben beschriebenen Herausforderungen zu begegnen. Daher ist die Kultur fest in dem Versuchsplan der Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
für Gartenbau (LVG) Heidelberg integriert. Nahezu jährlich werden neue, alte und bewährte Sorten geprüft und
miteinander verglichen.
Auch in diesem Jahr wird es wieder einen Sortenversuch im Bereich Feldsalat geben. Getestet werden acht
Sorten unterschiedlicher Herkunft im Bioland-zertifizierten frostfreien Folienhaus. Insbesondere schnelle Sorten sollen miteinander
verglichen werden. Geplant ist die Pflanzung in Kalenderwoche 45 – ein eher später Termin. Nichts desto trotz steht die Aussaat
in den Startlöchern. Wie jedes Jahr wird ein besonderes Augenmerk auf die Pflanzengesundheit des Feldsalats gelegt. Denn gerade in der
dunklen und kalten Jahreszeit sind robuste Sorten für eine erfolgreiche Kultivierung essentiell.

Homogener Feldsalatbestand (Bild: LVG Heidelberg)
Zu den aktuellsten Versuchsergebnissen zählt der Sortenversuch aus dem Herbst 2023 an der LVG
Heidelberg. Ziel war es zum einen die Anbaueigenschaften und den Ertrag der einzelnen Sorten möglichst genau zu analysieren, zum
anderen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Schaderregern zu prüfen. Auch aktuelle Fragestellung aus Beratung und Praxis
wurden aufgenommen und wenn möglich in die Versuchsfragestellungen integriert. Gepflanzt wurde der Feldsalat Ende Oktober. Bereits
nach fünf Wochen, Ende November, wurde geerntet. Mit Blick auf die Literatur werden bei Feldsalat Erträge von ca. 1 kg/m²
als durchschnittlicher Ertragswert angegeben.
Die Sorten 'Amely' (EZ), 'Calarasi' (RZ) und 'Festival' (Hz) erzielten die höchsten marktfähigen
Erträge mit mehr als 1 kg/m². Die marktfähigen Erträge der übrigen Feldsalatsorten lagen zwischen 770 und 970
g/m². Auch statistisch waren hier klare Unterschiede zwischen den Sorten auszumachen. Nicht marktfähige Erträge, die einen
erhöhten Putzaufwand mit sich bringen, waren zu diesem Zeitpunkt nicht zu erfassen bzw. spielten eine zu vernachlässigende
Rolle.
Um die Feldhaltbarkeit der schnellen Sorten zu prüfen und um den langsameren Sorten gerecht zu werden,
wurde zwei Wochen später eine weitere Ernte vorgenommen. Innerhalb dieser zwei Wochen konnten alle Sorten einen Zuwachs erzielen.
Besonders stach die Sorte 'Festival' (Hz) hervor, die wie auch in den Jahren zuvor, mit einem gesunden Wuchs und hohen Erträgen bei
guter Feldhaltbarkeit überzeugen konnte. Alle anderen Sorten hatten auf Grund biotischer und abiotischer Schäden
größere Ertragseinbußen zu verzeichnen und lagen damit unter dem Ertragsniveau des ersten Erntetermins (Tab.1).

Aber nicht nur der Ertrag, sondern auch die spezifischen Wuchs- und Sorteneigenschaften werden im
Versuchsbetrieb beleuchtet. Beispielsweise sind grüne Keimblätter ein wichtiges Kriterium für die Vermarktung. Mit Blick auf
den gesunden Bestand Ende November mussten allerdings bei allen Sorten gelbe oder helle Keimblätter verzeichnet werden. Jedoch war
hiervon je nach Sorte maximal ein Drittel des Bestandes betroffen. Die wenigsten gelben Keimblätter wies die Sorte 'Vitabel' (EZ) auf.
Die schnelle Standardsorte Elan (Bi) zeichnete sich, wie auch in den vorherigen Versuchsjahren, durch auffälliges Löffeln der
Blätter aus und war schon von weitem im Pflanzenbestand zu erkennen. Weitere Merkmale, die bei den Bonituren betrachtet werden, sind
Blattgröße, Blattaderung, Blattfarbe und -form, sowie Uniformität des Bestandes.
auf die Sorte … und das Wetter kommt es an
Nach Möglichkeit werden die Rahmenbedingungen für die verschiedenen Versuchsjahre relativ gleich
gehalten, d. h. es wird ein ähnlicher Kultivierungszeitraum angestrebt und auch die sonstigen Bedingungen werden identisch gehalten.
Nur das Wetter ist natürlich nicht beeinflussbar. Betrachtet man die Versuchsergebnisse über die Jahre hinweg, so spielt dieses
allerdings eine nicht zu vernachlässigende Rolle.
Gerade schnelle Sorten haben in der kalten und dunklen Jahreszeit einen gewissen Wachstumsvorteil,
reagieren jedoch bei höheren Temperaturen teils empfindlich und auch das Erntefenster ist meist recht kurz. Langsamere Sorten zeigen
hingegen oft den Vorteil einer längeren Feldhaltbarkeit und bieten dadurch eine höhere Flexibilität hinsichtlich des
Erntezeitraums. Sie sind jedoch auf der anderen Seite bei extrem kühlem Wetter und wenig Licht meist anfälliger gegenüber
Schaderregern.
Auf Grund dieses Umstandes bzw. dieses markanten Einflusses auf den Ertrag der einzelnen Sorten bietet es
sich an, unterschiedlich schnelle Sorten über mehrere Versuchsjahre hinweg zu beobachten. Denn die bereits genannte, schnelle Sorte
'Elan' (Bi) und die vergleichsweise langsamere Sorte 'Festival' (Hz) erreichen beide im Mittel der Versuchsjahre einen Ertrag von ca. 1
kg/m². Allerdings unterscheiden sich die Sorten in den verschiedenen Versuchsjahren auf Grund der vorherrschenden Witterung sehr
stark. Vergleicht man die Temperaturverhältnisse einzelner Kulturjahre, bezogen auf den gleichen Anbauzeitraum, sind diese geradezu
konträr.

Die Sorte 'Elan' (Bi) erzielt bei kurzer Kulturdauer und kühlen Temperaturen höhere Erträge
als 'Festival' (Hz). Dies kann die Sorte 'Festival' im gleichen Jahr bei längerer Kulturdauer mit hohen Erträgen und gesunder
Ware wieder relativieren. Insbesondere bei früher Pflanzung und wärmeren Temperaturen erreicht 'Festival' durch ihre
Sorteneigenschaften eindeutig höhere Erträge als 'Elan'. Zwar zeigt 'Elan' immer noch relativ hohe Erträge, beginnt jedoch
flächendeckend zu löffeln, was von vielen Kunden nicht gewünscht ist. D. h. eine entsprechende Berücksichtigung des
Pflanztermins, die angestrebte Kulturdauer und die jeweiligen Sorteneigenschaften sind bei der Sortenwahl äußerst
wichtig.

Die Sorte "Elan" von der Bingenheimer Saatgut AG (Bild: LVG Heidelberg)
Für die Praxis bedeutet das: um eine kontinuierliche Ernte im Gartenbaubetrieb zu
gewährleisten und das Risiko hinsichtlich Witterungsbedingungen und Schaderregern zu streuen, bietet es sich an, mindestens zwei
unterschiedlich schnelle Sorten anzubauen.
Einsatz von Wachstumsförderern
Wie schon angedeutet, muss sich der Gartenbau im Herbst und Winter einigen Herausforderungen im Anbau von
Feldsalat stellen. Lichtbedingungen und Temperaturen sind meist nicht optimal und bedeuten Stress für die Pflanzen, was nicht zuletzt
mit Ertragseinbußen einhergehen kann. Zusätzlich werden bestimmte Schaderreger, z. B. Mehltaupilze oder Gelbe Welke, durch die
Witterungsbedingungen gefördert.

Gelbe Welke am Feldsalat (Bild: LVG Heidelberg)
Auf dem Markt sind diverse Präparate erhältlich, die natürliche Prozesse in der Pflanze
stimulieren oder vor Beeinträchtigungen schützen sollen. Neben klassischen Blattdüngern zählen hierzu z. B.
Pflanzenstärkungsmittel, Pflanzenhilfsmittel oder Bodenhilfsstoffe. Je nach Präparat soll die Nährstoffaufnahme verbessert,
Stress reduziert oder die Qualität der Pflanzen insgesamt verbessert werden. Der Einsatz solcher Präparate in der Kultur
Feldsalat ist damit naheliegend. Daher wird neben den klassischen Sortenversuchen auch der Einsatz dieser Wachstumsförderer bzw.
Biostimulanzien regelmäßig erprobt.
Auch im Herbst 2024 wird ein weiterer Versuch mit Feldsalat im Bereich Wachstumsförderer
durchgeführt. Wachstumsförderer wirken je nach Zusammensetzung z.B. positiv auf die Feinwurzelbildung und sollen so den Pflanzen
die Erschließung eines größeren Nährstoffpotentials und damit eine schnellere Entwicklung ermöglichen.
An der LVG Heidelberg dienen zwei Feldsalat-Standardsorten (‚Elan‘ (Bingenheimer Saatgut AG)
und ‚Festival‘ (Hazera)) als Versuchspflanzen. Ausgebracht wird ein Präparat in zwei unterschiedlichen
Behandlungsvarianten. Die Behandlungsvarianten werden mit einer Wasserbehandlung, sowie einer unbehandelten Kontrolle bei beiden Sorten
verglichen.

Ausbringung der Präperate mit dem Parzellenspritzgerät (Bild: LVG Heidelberg)
Die Versuchsergebnisse der letzten Jahre zeigen allerdings unabhängig vom eingesetzten Präparat
keinen signifikanten Effekt der eingesetzten Mittel (Tab. 2). Ein Mehrertrag ist in der Regel entweder auf die Sorte oder den Einsatz von
Wasser verglichen mit der Kontrolle zurückzuführen.

Allerdings muss in diesem Zusammenhang erklärt werden, dass die Anwenderpraxis insbesondere bei
Bodenhilfsstoffen von längeren und regelmäßigeren Einsatzzeiträumen berichtet. Der Einsatzzeitraum der Präparate
in einer Kultur wie Feldsalat ist vergleichsweise kurz bemessen. Eine abschließende Aussage zur generellen Wirksamkeit der getesteten
Stoffe bleibt daher offen.
Fazit:
An der LVG Heidelberg werden weiterhin Präparate gerade in den klassischen Herbstkulturen getestet und
auch in Zukunft werden weitere statistisch belastbare Versuche im Bereich des Feldsalates folgen.
Sabine Reinisch
LVG Heidelberg - Stand 10/2024