1. Welche Berührungspunkte hattest du mit dem Ökolandbau in deinem Beruflichen
Werdegang?
Da muss ich direkt an meine erste Stelle im Landkreis Waldshut denken, im Ursprungsgebiet der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald
Bio-Weiderind. Im Bereich Bauen im Außenbereich und in der förderrechtlichen Bauberatung hatte ich in Waldshut häufig mit
ökologisch wirtschaftenden Betrieben zu tun. Die Berührungspunkte danach waren eher im privaten Bereich bevor ich ans
Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Emmendingen Hochburg (LBZ) wechselte.
2. Was ist die Besonderheit an der Fachschulklasse Fachrichtung Ökologischer Landbau in Emmendingen im
Vergleich zu anderen Fachschulen?
Ich bin erst seit Januar 2024 Vollzeitlehrer am LBZ, werde also erst diesen Herbst sozusagen meine erste Klasse abschließen,
weshalb ich die Frage nicht vollends beantworten kann. Mein Eindruck ist, dass die Studierenden der Ökoklasse im Vergleich zu anderen
Fachschulklasse, auch an der Hochburg selbst, ein höherer Maß an Lehrbereitschaft mitbringen, offen für Themen wie z.B.
Ethik in der Tierhaltung, nachhaltiger Fleischkonsum u.a. sind und nichts einfach so hinnehmen, sondern alles hinterfragen.
Besonders ist ebenfalls, dass mehr als die Hälfte nicht von einem elterlichen Betrieb kommen, sich aber bewusst für den
steinigen Weg der Landwirtschaft entscheiden. Von schulischer Seite ist uns da auch das Thema außerfamiliäre Hofübergage
wichtig. Ein bemerkenswerter Punkt ebenfalls für die Klasse ist es, dass den Studierenden viel Vertrauen von Seiten der Betriebe
geschenkt wird. So kalkulieren alle Ihre Meisterarbeit, auch die, die keine Jahresabschlüsse vom elterlichen Betrieb vorliegen haben,
mit reellen Betrieben, in denen Sie zum Teil tätig sind.
3. Wie werden die Studierenden auf die Schule aufmerksam? Woher beziehen sie ihre Informationen über
die Schule?
Seit knapp zwei Jahren bespielen wir einen Instagramkanal, mit dem wir vor allem durch kleinere Berichte die Berufsschülerinnen und
Berufsschüler mitnehmen möchten, was an der Hochburg geht. Zudem werden Interessierte direkt eingeladen sich vor Ort im
Schulalltag einen Eindruck vom LBZ zu verschaffen. Der direkte und ehrliche Austausch mit den Studierenden selbst, z.B. in den Pausen oder
auf ein Bier nach dem Unterricht, ist dabei wichtig und weniger die Werbung der Lehrkräfte. Ansonsten besuchen wir viele Berufsschulen
und bieten Online Infoabende an.
4. Sind die Studierenden überwiegend von elterlichen Biobetrieben?
Die Hälfte der aktuellen Ökoklasse sind auf den elterlichen (Bio-)betrieben aufgewachsen. In den Klassen zuvor war der Anteil
ähnlich. Die Wirtschaftsweise ist allerdings kein Ausschlusskriterium. In bisher jeder Klasse waren Studierende, die auf
konventionellen Betrieben arbeiten. Die Tendenz zeigt, dass immer mehr ohne elterlichen Hof auf die Fachschule gehen. Diesen
Studierenden möchten wir das nötige Wissen und Handwerkszeug auf den Weg geben, damit Sie ein Unternehmen gründen
können oder einen Hof außerfamiliär übernehmen und leiten können.
5. Wo siehst du die größten derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen an der
Fachschule?
Die Studierenden Tag für Tag bei immer komplexeren Gegebenheiten und steigendem Kostendruck auf ihre zukünftigen Arbeiten als
Unternehmerin und Unternehmer vorzubereiten bzw. ihnen das Rüstzeug hierfür mitzugeben.
6. Welche Unterstützung wünschst du dir um die Fachschule und den Unterricht noch besser gestalten
zu können?
Motivierte und praxisnahe Kolleginnen und Kollegen. Weiterhin stets offenen Hoftore, damit die Studierenden von anderen lernen und ein
breites Netzwerk aufbauen dürfen.
