Gut verzweigte, stabile Triebe, ein kompakter Pflanzenhabitus, der harmonisch zur Topfgröße passt, sowie sattgrünes Laub
und ein kräftiges gesundes Wurzelwerk – so sollte ein schöner Weihnachtsstern aussehen. Doch sind diese
Qualitätskriterien auch in der Produktion nach Bio-Richtlinien zu erzielen? Speziell die richtlinienkonforme Nährstoffversorgung
mit organischen Düngern stellt den Bio-Gärtner vor eine große, aber lösbare Herausforderung! Generell besteht die
Möglichkeit, Pflanzen mit einem geringen bis mittleren Nährstoffbedarf durch eine Vollbevorratung des Substrats zu versorgen.
Dies bedeutet, dass dem Substrat die komplette Nährstoffmenge über organische Dünger zum Topftermin zugemischt wird.
Für nährstoffbedürftige Kulturen wie den Weihnachtssternen ist dagegen in der Praxis eine zusätzliche flüssige
Nachdüngung unabdingbar.
Welcher Bevorratungsdünger ist geeignet?
Um die Nährstoffversorgung weiter zu optimieren, legte die LVG Heidelberg bereits mehrfach Versuche mit verschiedenen organischen
Bevorratungsdüngern und –kombinationen aus tierischer oder pflanzlicher Herkunft an. Die unterschiedliche Stickstofffreisetzung
dieser Bevorratungsdünger führte zu leichten Qualitätsunterschieden. Dabei gefielen besonders die Poinsettien, die mit einer
Kombination aus Horngries und Schafwolle teilbevorratet und anschließend flüssig nachgedüngt wurden. In Pellets verpresst,
bietet Schafwolle als Stickstofflieferant eine besondere Langzeitwirkung. Neben Stickstoff enthält sie mit Kalium, etwas Phosphor,
Magnesium, Schwefel und Spurennährstoffen auch viele weitere Nährstoffe.

Bio-Sterne flüssig nachdüngen
Gerade im Hinblick auf eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung und in der Notwendigkeit einer termingenauen Kulturführung ist
eine kulturbegleitende zusätzliche Nachdüngung mit organischen Flüssigdüngern sinnvoll. Sie minimiert das Kulturrisiko,
indem sie sich punktgenau und bedarfsgerecht einsetzen lässt und führt zudem meist zu einer sichtbaren
Qualitätsverbesserung.
Früher standen in erster Linie nur organische Flüssigdünger auf Basis von Vinasse zur Verfügung, mit einem
entscheidenden Nachteil, dass die die schnell eintretende Gärung im Anstaubecken eine starke Geruchsbelästigung verursacht. Heute
sind auch vinassefreie Flüssigdünger für den Bioanbau erhältlich, die sich selbst in Ebbe & Flut – Systemen
ohne negative Geruchsentwicklung gut einsetzen lassen. Sie alle enthalten als Hauptbestandteil pflanzliche Eiweiße und sind nach den
Richtlinien der deutschen Bio-Anbauverbände einsetzbar. Es gilt zur Optimierung organischer Düngungsstrategien die neu auf dem
Markt befindlichen Produkte im Praxiseinsatz zu prüfen. Neben der Düngewirkung muss auch die Gebrauchstauglichkeit der
Dünger im Anstaubecken im Hinblick auf eine mögliche Geruchsentwicklung beobachtet werden.
Aktuell stehen an der LVG Heidelberg in einem Kulturversuch mit Weihnachtssternen vier neu auf dem Markt befindliche, organische
Dünger für die flüssige Applikation auf dem Prüfstand. Besonderes Augenmerk liegt auch auf der Phosphorversorgung, da
drei der geprüften Flüssigdünger keinen Phosphor enthalten. Da im aktuellen Kulturversuch bereits über das Substrat
ausreichend hohe Phosphormengen durch den Kompostzusatz im Substrat zur Verfügung stehen, zeigen sich insgesamt bisweilen in allen
vier Düngungsvarianten ansprechende, verkaufsfähige Qualitäten. Der Versuch wird Ende November 2021 vollständig
ausgewertet, die Ergebnisse hierzu sind dann zeitnah auf der Website der LVG Heidelberg abrufbar.

Bio-Anbau bedeutet nicht nur den Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel. Bio-Anbau betrifft und verändert die gesamte
Produktion. Um den Gärtnern dabei Hilfestellungen zu geben, werden an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau
(LVG) in Heidelberg in praxisnaher Versuchsarbeit neue Verfahren zum ökologischen Anbau von Topfpflanzen geprüft und ständig
optimiert. Knackpunkte in der Produktion sind die richtige Auswahl des Biosubstrates mit den entsprechenden Torfersatzstoffen, die
organische Düngung über Bevorratungs- oder Flüssigdünger, das Schützen und Stärken der Pflanzen mit
Nützlingen und Pflanzenstärkungsmitteln sowie das „In-Form-halten“ durch den Einsatz luftgesteuerter Reize.