Das vom Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) initiierte und getragene Projekt „BWeidung umsetzen“ stellt ein umfassendes Informationsangebot zum Thema dar und soll damit insbesondere Milchviehbetrieben Unterstützung für die Optimierung, Ausweitung oder Neuintegration des Weidegangs bieten. Mit einer Projektlaufzeit von drei Jahren (01/2025 – 12/2027) steht am Referat 22 des LAZBW in Aulendorf eine zusätzliche Ansprechperson zur Bearbeitung relevanter Fragestellungen rund um die Rinderweide zur Verfügung.

Abbbildung 1: Übersichtskarte Projektnetzwerk.
Zentral im Projekt steht ein landesweites Netzwerk aus aktuell 28 Weidebetrieben, dessen Aufbau im ersten Jahr der Projektlaufzeit im Vordergrund stand. Mit ihren unterschiedlichen Ausgangssituationen, Erfahrungswerten und Lösungen zeigen die Betriebe beispielhaft, was es für eine gelingende Integration der Weide braucht. Auf einem Spektrum von extensiver Milcherzeugung mit Vollweidehaltung und Fokus auf wesensgerechte Tierhaltung bis zu hohen Milchleistungen am Roboter bei Stundenweide, von langjährig weideorientierten Haltungskonzepten bis hin zum kürzlichen Neueinstieg können sich auch nicht unmittelbar am Projekt beteiligte Betriebe wiederfinden und so vom Erfahrungsschatz der Netzwerkbetriebe profitieren. Die Portraits der Netzwerkbetriebe sind mit Übersichtskarten und Beschreibungen besonderer Weideaspekte auf der Projektseite des LAZBW zu finden.
Im Rahmen netzwerkinterner Online- und Vor-Ort-Treffen wurde bereits im vergangenen Jahr deutlich, dass der zwischenbetriebliche Austausch gewünscht und geschätzt wird. Dabei bewegen die Betriebe unter anderem Fragen zur Erschließung von Weideflächen (insb. Querung öffentlicher Wege und Straßen), zum Umgang mit Trockenperioden, zur Tränkwasserversorgung der Tiere auf der Weide, zur Kombination von automatischem Melken und Weidegang und viele mehr. Der Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch wird im Sinne des Projektziels in den noch anstehenden zwei Projektjahren über sogenannte „Weide-Schulen“ auf den Netzwerkbetrieben gefördert. Dabei sind sowohl alle interessierten Landwirtinnen und Landwirte wie auch Beratungskräfte eingeladen, detaillierte Einblicke in konkrete betriebliche Abläufe und Konzepte zu nehmen und in den fachlichen Austausch mit Berufskolleginnen und -kollegen zu kommen. Die erste Veranstaltung der Reihe fand im September auf dem Peter & Paul Hof in Uigendorf statt, der mit seinem ganzheitlichen Betriebskonzept unter anderem Lösungen zu Vollweidehaltung mit Weidemelken, Stallneubau mit optimaler Weideflächenanbindung, Weidegestaltung und Witterungsschutz mit Gehölzlauben und Agroforst sowie zur kuhgebundenen Kälberaufzucht demonstrieren konnte.

Abbildung 2: Das Melken von rund 80 Kühen im 15x1 Side-by-Side-Melkstand war einer der Schwerpunkte der ersten Weide-Schule auf dem Peter & Paul Hof. (R. Bosch)
Darüber hinaus bringen sich die Netzwerkbetriebe auch in weitere Aktivitäten des LAZBW zum Thema Weidegang ein. So entsteht zum Beispiel bis zum Mai 2026 unter Beteiligung des LAZBW eine Schrift des KTBL zum Thema Kälberweide. Darüber hinaus erarbeitet das LAZBW in 2026 im Auftrag des KTBL für seine Kalkulationsunterlagen eine Datenbasis für die „Weidehaltung als Bestandteil der Haltungsverfahren für die Milchkuhhaltung“ unter Beteiligung der Netzwerkbetriebe.
Neben den Initiativen im Zusammenhang mit dem Betriebsnetzwerk soll auch der weidebezogene Wissenstransfer am LAZBW selbst gestärkt werden. Zu diesem Zweck entsteht auf dem Atzenberg in Aulendorf eine Musterzaunanlage, anhand welcher verschiedenste Lösungen zum Zaunbau für große und kleine Wiederkäuer anschaulich darstellt und vermittelt werden können. Daneben befindet sich ab März eine Triebweganlage mit unterschiedlichen Oberbelägen im Bau, um ihre jeweilige Wirkung auf den Gang der Tiere beobachten und ihre entsprechende Eignung für den Viehtrieb beurteilen zu können. Auch mögliche Einsatzgebiete innovativer Techniken und Methoden, beispielsweise virtueller Zäune, sollen im Rahmen des Projekts ermittelt und ggf. erprobt werden.
Mit der Aufarbeitung von Fachthemen in Wissenstransfer-Veranstaltungen, Vorträgen, Informationsblättern und Fachartikeln wurden im vergangenen Jahr bereits Schritte zur Stärkung der Weide als Haltungssystem unternommen, die in den nächsten beiden Projektjahren noch intensiviert werden sollen. Grundsätzlich bietet das Projekt eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um die Weidehaltung im Milchviehbetrieb. Die Wissensvermittlung erfolgt allerdings nicht nur im Rahmen der genannten Formate, sondern auch über die ganz einfache Beantwortung von Fragen am Telefon oder per Mail.
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Raphael Bosch
Tel.: 07525 / 942-327